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Claudio Koller · 14.10.2022

Wie vererbe ich Bitcoin richtig?

Wenn Personen für ihre Bitcoin keinen Nachlassplan erstellen, droht den Hinterbliebenen ein Totalverlust. Eine Nachlassplanung ermöglicht es dir, die Aufteilung deines Erbes selbst zu bestimmen. Mit einem Nachlassplan stellst du also sicher, dass deine Bitcoin nach deinem Ableben nicht verlorengehen und die Erbverteilung problemlos vonstatten geht.

Während sich der Nachlass von Aktien, Immobilien oder ähnlichen klassischen Anlagen relativ einfach regeln lässt, ist das Erben von Bitcoin etwas schwieriger.

Selbstverwahrung = Eigenverantwortung

Allein der Kauf von Bitcoin bietet noch keine Unabhängigkeit. Wenn deine Bitcoin bei zentralisierten Börsen liegen bist du von diesen Institutionen abhängig, wenn es darum geht deine Bitcoin auszugeben oder zu verkaufen. Finanzielle Freiheit hast du nur, wenn du über die alleinige Kontrolle der privaten Schlüssel verfügst. Nur dann gilt das Motto «Be your own bank» oder auf Deutsch «Sei deine eigene Bank». Diese Freiheit bringt jedoch eine grosse Eigenverantwortung mit sich.

Das kann für einige Personen auch ein Nachteil sein. Denn wer die privaten Schlüssel verliert, eine Transaktion an eine falsche Adresse schickt oder schlechte Sicherheitsvorkehrungen trifft, steht alleine da. Es gibt keine Verantwortlichen, die um Hilfe gebeten werden können. Dieser Umstand erfordert, dass du dich ausreichend mit der Technologie auseinandersetzt, damit du das Risiko abschätzen und dich mit Backups entsprechend absichern kannst.

Warum ist ein Nachlassplan für die Vererbung von Bitcoin so wichtig?

Bei einem traditionellen Bankkonto kümmert sich die Bank im Todesfall um den ganzen Übertragungsprozess. Die Erbgemeinschaft muss sich dazu gegenüber der Bank legitimieren, z. B. mit einem Erbschein, um Zugriff auf die Bankkonten oder Schliessfächer zu erhalten.

Beim digitalen Vermögenswert gibt es hingegen keinen Kundensupport oder eine Ansprechperson, die beim Nachlass unterstützt. Darum ist neben der Verwahrung, der Nachlassplan bei der Investition in Bitcoin so wichtig. Oftmals wird diese Planung vernachlässigt oder unterschätzt.

Das gehört in den Bitcoin Nachlassplan

  • Wallets: Führe auf, welche Wallets und Geräte vorhanden sind.
  • Zugangsdaten: Neben den Geräten sollten natürlich auch alle Zugangsinformationen wie Passwörter, Benutzernamen und Wallet-Pins im Nachlassplan aufgeführt werden. Falls Daten auf einem Smartphone oder Computer gespeichert sind, gehören auch die entsprechenden Login-Daten für diese Geräte in den Nachlassplan.
  • Backup: Gerade das Backup einer Wallet mit der Wiederherstellungsphrase (12 bzw. 24 Wörter) ist für die Nachlassplanung bedeutend. Mit diesen Wörtern kann bei Verlust der Wallet das ganze Guthaben wiederhergestellt werden.
  • Bitcoin-Vertrauensperson: Da in den meisten Fällen die erbenden Personen nicht mit Bitcoin vertraut sind, lohnt es sich zudem, eine vertrauenswürdige dritte Person mit dem notwendigen Know-How zu definieren. Diese soll die Erbgemeinschaft dabei unterstützen sich mit dem Thema vertraut zu machen und sollte daher ebenfalls im Nachlassplan erwähnt werden.

Form und Aufbewahrung

Ein Nachlassplan befreit dich nicht davon, ein Testament zu verfassen. Im Testament bestimmst du, wer was bekommt. Der Bitcoin-Nachlassplan stellt sicher, dass die erbenden Personen an deinen digitalen Vermögenswert gelangen.

Im Grunde genommen ist der Nachlassplan ein einfaches Dokument. Da es jedoch sehr sensible Daten enthält, solltest du es sicher verwahren und vor Umwelteinflüssen, wie Wasser oder Feuer schützen. Von Vorteil wäre es, wenn du das Papier mit einem Kugelschreiber und Bleistift beschriftest und laminierst.

Gegen Feuer kannst du mit einer feuerfeste Mappe oder einem Tresor vorkehren. Zur Sicherheit erstellst du am besten eine zweite Kopie. Eine legst du Zuhause an einen sicheren Ort, die andere in das Bankschliessfach oder zu einem Notar. Sei dir jedoch bewusst, dass du diesen Institutionen vertrauen solltest, denn du bist von ihnen abhängig, was der Ideologie von Bitcoin widerspricht.

Wie informierst du die erbenden Personen?

Neben der Erstellung und der sicheren Lagerung des Nachlassplans musst du dir die Frage stellen, wie und wann du die erbenden Personen informieren möchtest. Entweder kannst du ihnen die Informationen zum Nachlassplan persönlich mitteilen, eine Vertrauensperson definieren, die nach deinem Ableben diese Verantwortung übernimmt oder die Informationen per Testament weitergeben.

Sicherheit geht vor

Man beschäftigt sich ungerne mit seinem eigenem Tod. Jedoch solltest du den Nachlassplan lieber heute als morgen erstellen. Sobald du einen soliden Nachlassplan erstellt hast, kannst du bedenkenlos weiter investieren, ruhig schlafen und dich mit anderen Bitcoin-Themen beschäftigen.

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